BDE

Hormontherapie und Brustkrebs: Erste Daten der deutschen Auswertung

Bericht für Berufsverband der Endokrinologen vom Menopausenkongress

Eine Hormontherapie über mehr als fünf Jahre lässt das Brustkrebsrisiko ansteigen, auch unter Estrogen-Monotherapie. Nach dem Absetzen sinkt die erhöhte Inzidenz relativ rasch wieder auf Normalwerte.
Das sind die allerersten, vorläufigen Resultate der deutschen Fall-Kontrollstudie MARIE, in der die Risikofaktoren für Brustkrebs erhoben werden.

„Im Großen und Ganzen stimmen die Ergebnisse mit den Erkenntnissen der großen Studien aus England und den USA überein“, kommentierte Professor Wilhelm Braendle aus Hamburg bei der Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft in Freiburg bei der mit Spannung erwarteten Präsentation. „Aber es sind auch klare Unterschiede herausgekommen.“ Anders als in der Women´s Health Initiative (WHI) beispielsweise ist in der deutschen Untersuchung auch die reine Estrogentherapie mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verknüpft.
Die Fall-Kontroll-Studie MARIE wurde Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe geplant und durchgeführt. Das Akronym steht für Mammakarzinom-Risikofaktoren-Erhebung. In die Untersuchung gingen 3.500 Patientinnen mit Brustkrebs und 7.000 Kontrollen aus Heidelberg und Hamburg ein. Alle Patientinnen mit der Neuerkrankung Brustkrebs (invasive und In-situ-Mammakarzinome) wurden in strukturierten Interviews zu Lebensgewohnheiten, Medikamenteneinnahme und weiteren Risikofaktoren befragt.
Knapp 3.800 Frauen aus beiden Gruppen hatten nie Hormone eingenommen. Rund 6.300 gaben an, eine – überwiegend orale – Hormontherapie angewandt zu haben, 3.800 davon noch zum Befragungszeitpunkt.
Bei diesen aktuellen Anwenderinnen war das Brustkrebsrisiko am stärksten erhöht, bei „ever use“ lag es im Vergleich etwas niedriger, erläuterte der Endokrinologe. Die Inzidenz stieg mit der Dauer der Einnahme bis zu einem Intervall von 15 Jahren und fiel bei längerer Hormoneinnahme dann wieder ab.
Ein bis zwei Jahre nach Absetzen der Therapie war das Risiko nicht mehr erhöht, sowohl bei reiner Estrogen- als auch bei kombinierter Therapie. Nur unter dem kontinuierlich-kombinierten Schema dauerte dieser Rückgang länger.
Verglichen mit Pflastern berechnete sich bei der oralen Therapie ein höheres Risiko, was nach Worten von Braendle vermutlich aber auf die höheren Hormondosen in älteren Tabletten-Präparaten zurückzuführen sein dürfte. Aufgeschlüsselt nach dem Typ des Gestagens in der Kombination wurde in der bisherigen Auswertung kein Unterschied festgestellt.
Anders als im reinen Estrogen-Arm der WHI-Studie, in der kein erhöhtes Brustkrebsrisiko ermittelt wurde, lag die Inzidenz von Mammakarzinomen in der deutschen Untersuchung auch bei Monotherapie höher. Und im Gegensatz zur englischen Million Women´s Study, die auch unter Tibolon ein erhöhtes Risiko ausweist, fand sich in der MARIE-Studie keine erhöhte Inzidenz.
Wie der Referent weiter ausführte, sollen die ersten Zahlen zum relativen und absoluten Risiko einer Hormontherapie im Juni publiziert werden, die endgültige Auswertung der übrigen Werte dürfte bis Ende des Jahres dauern. Braendle zeigte sich zuversichtlich, dass die Fallzahlen groß genug sind, um auch Subgruppen-Analysen vorzunehmen. Von speziellem Interesse ist dabei, ob sich Unterschiede berechnen lassen zwischen dem Einsatz von konjugierten Estrogenen und Estradiol.