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Gedächtnis-Störungen bei Brustkrebs-Patientinnen

Estrogen-Blockade schlägt auf´s Gehirn

Estrogene wirken euphorisierend – und beeinflussen die Gehirnfunktion. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die langfristige Gabe von Aromatasehemmern sich auch negativ auf die Leistung des weiblichen Gehirns auswirken kann.

Wie Professor Joseph Neulen aus Aachen beim Fortbildungskongress der Frauenärztlichen Bundesakademie in Düsseldorf berichtete, klagen manche Brustkrebs-Patientinnen in der Nachsorge über Gedächtnisprobleme. Die Frauen bringen dies normalerweise nicht in Zusammenhang mit der Einnahme der Aromatasehemmer, sondern vermuten eher eine Verbindung mit der Grunderkrankung. Von den Onkologen wiederum werde das Problem leider wenig kommuniziert. Als wirksame Hilfe stufte der gynäkologische Endokrinologe in diesen Fällen ein Gedächtnistraining ein. Bei ausgeprägten Störungen sei im Einzelfall aber auch zu entscheiden, ob die Wirkung der Rezidivprophylaxe mit Aromatasehemmern im Vergleich zu Tamoxifen – gemessen an der gewonnenen Lebenszeit – es wert ist, die intellektuellen Einschränkungen „hinzunehmen“ oder nicht.
Die Grundlagen für die zentralen Störungen durch Aromatasehemmer hat Professor Gabriele Rune in Hamburg untersucht: Estrogene werden in nicht unwesentlichen Mengen auch im Gehirn gebildet und fördern im Hippocampus - ein Hirnbereich, der für Lernen und Gedächtnis verantwortlich gemacht wird - die Synapsenbildung. Wird die Aromatisierung gehemmt, sind in vitro und in vivo eine deutlich verminderte Synaptogenese und ein reduziertes Axonwachstum nachzuweisen.
Weiterhin konnte die Wissenschaftlerin zeigen, dass in hippocampalen Kulturen nach Stimulation der Nervenzellen die sogenannte Langzeitpotenzierung (LTP), die als zellulärer Ausdruck für Gedächtnis gewertet werden kann, elektrophysiologisch nach Aromatasehemmung nicht mehr induzierbar war.
In Zusammenarbeit mit den Onkologen der Frauenklinik hat die Wissenschaftlerin jetzt ein Projekt geplant, in dem ehemalige Brustkrebs-Patientinnen vor und während der Therapie mit Aromatasehemmern und Tamoxifen über drei bis vier Jahre verfolgt werden. Vorgesehen sind magnetresonanztomographische Untersuchungen und spezifische Gedächtnistests, um die Häufigkeit und das Ausmaß der vermuteten Störungen wissenschaftlich zu evaluieren.

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