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Empfehlungen zum Altershypogonadismus

EU-weit differieren die Schwellenwerte für Testosteronmangel

Das männliche Sexualhormon Testosteron ist wahrscheinlich doch eher als eine protektive denn als eine „böse“ Substanz einzustufen: Ein Testosteron-Mangel leistet gesichert einer Osteoporose, vermutlich aber auch vielen anderen „männlichen“ Erkrankungen Vorschub.

Obwohl Männer bis ins hohe Alter zeugungsfähig bleiben, wie das Beispiel von Pablo Picasso zeigt, nimmt ihre Fertilität graduell ab – es dauert länger, bis die Frau schwanger wird. Und das Risiko für seltene Erkrankungen bei den Nachkommen ist erhöht (Apert-Syndrom, Achondroplasie, Myositis ossificans, Marfan-Syndrom), erklärte Professor Eberhard Nieschlag aus Münster.
Als gesichert gilt nach Angaben des Andrologen inzwischen die Existenz des Altershypogonadismus - eine Mischform aus primärem und sekundärem Hypogonadismus. Gemeinsame Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie haben vor kurzem verschiedene europäische Gesellschaften unter Federführung der International Society fort he Study of the Aging Male vorgelegt (European Urology 2005;48:1-4). Danach sollen klinische Symptome nur dann behandelt werden, wenn ein Hormonmangel laborchemisch bestätigt ist – und umgekehrt.
Die Grenzwerte für einen Testosteronmangel im Alter sind in Europa allerdings nicht einheitlich: Den „rigorosesten“ Schwellenwert legen die Franzosen mit 7,5 nmol/l vor, gefolgt von den Engländern, die eine Spanne von 7,5 bis 8 nmol/l definiert haben. In Spanien liegt bei Werten unter 9 nmol/l ein Hypogonadismus vor, während bei deutschen Männern bereits bei Konzentrationen von 10 bis 12 nmol/l ein Testosterondefizit diagnostiziert wird.
Eine Erklärung hierfür sieht Nieschlag in der Tatsache, dass die verschiedenen Symptome des Testosteronmangels mit unterschiedlich verminderten Hormon-“Pegeln“ verknüpft sind, wie die Auswertung von 434 Patienten am Institut für Reproduktionsmedizin in Münster zeigt (siehe Grafik). Danach klagen Männer bereits bei Werten zwischen 15 und 12 nmol/l über Libidoverlust und Antriebsschwäche. Bei Konzentrationen zwischen 12 und 10 nmol/l nimmt das viszerale Fett zu. Bei einem weiteren Abfall auf 10 bis 8 nmol/l klagen die Patienten über Depressivität, Konzentrationsmangel – nicht selten sind diese Werte verknüpft mit einem Diabetes Typ 2, auch bei nicht-adipösen Männern. Bei noch stärker verminderten Spiegeln erst sind die „klassischen“ Symptome des Testosteronmangels zu erwarten, das störende Schwitzen und Erektionsprobleme.
Therapeutisch sind bei älteren Männern die kurzwirksamen Gele am besten geeignet, da sie bei Nebenwirkungen und neu erkannten Kontraindikationen sofort abgesetzt werden können, sagte der Referent. Nach bisherigen Studien ist die Testosteronbehandlung als sicher anzusehen: Über drei Jahre verbessern sich Stimmung, Libido, Muskel- und Knochenmasse. Der PSA-Wert steigt darunter, ebenso wie das Prostatavolumen bis in den eugonadalen Bereich. „Welche Folgen eine 20-jährige Substitution hat, kann heute allerdings niemand sagen“, betonte der Androloge. Noch zu beweisen ist nach seinen Worten die antidiabetogene Wirkung einer Testosterongabe in der nachgewiesenen Mangelsituation, gleiches gilt für die Prävention von Gefäßkrankheiten.
Dass Mann auch selbst etwas tun kann, um den Testosteronspiegel anzuheben, ließ der Referent nicht unter den Tisch fallen. Bei der körperlichen Aktivität empfahl er alle Formen von Kurzzeit-Training – Ausdauerformen bezeichnete er als ungeeignet: „Marathon-Läufe sind testosteronverbrauchend.“

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